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Akzeptanz von gleichgeschlechtlichen Paaren in Büchern

Wie kann ein Buch dazu beitragen, in der Gesellschaft ein Gefühl von Normalität zu vermitteln


Noch heute ist das Genre rund um L(esbian)G(ay)B(isexual)T(ranssexual)Q(ueer)+ eine Randnische. Viele Leser wissen noch nicht einmal, dass es Bücher gibt, die dieses Genre behandeln. Oft wird es auch missbraucht, um klischeebehaftete, sexy Romance Geschichten zu veröffentlichen – die oft dafür sorgen, dass die LGBTQ+ Community sauer aufstößt und sich missverstanden fühlt. Verständlich, denn heterosexuellen Menschen würde es sicherlich auch nicht gefallen, als dauergeile, liebestolle, nur an Sex denkende Menschen dargestellt zu werden.

Der Bedarf an Own-Voice-Autoren, also Autoren die selbst der LGBTQ+ Community angehören, oder einer repräsentativen Darstellung durch heterosexuellen Autoren, ist dahingehend sehr groß.

Wie können nun Bücher (und Autoren) dabei helfen, Normalität und Toleranz in die Gesellschaft zu bringen?

Zum einen, in dem das Genre kein Nischengenre bleibt. LGBTQ+ gehört genauso in unsere Gesellschaft wie Heterogeschichten und sollten auch genauso behandelt werden. Also raus aus der Nische, rein ins Young Adult/New Adult Genre – wie Laura Kneidl es mit 'Someone New' vorgemacht hat.
Zum anderen sollte der Fokus in LGBTQ+ thematisierten Geschichten nicht auf das Coming out liegen. Ein junger Mensch, der nervös vor seinen Eltern sitzt, die ihn durchdringend ansehen und er sich in der Position wiederfindet, sich selbst und seine Sexualität zu erklären und zu rechtfertigen.
Im realen Leben ist es für jeden Jugendlichen oder Heranwachsenden selbstverständlich wichtig diesen Schritt für sich selbst zu gehen und das möchte ich auch niemanden absprechen.
Doch solange das Coming out in Büchern überdramatisiert dargestellt wird, wird es immer als etwas angesehen werden das sein muss. LGBTQ+ Jugendliche müssen sich outen, sie müssen sich rechtfertigen. Ohne ein Coming out ist der Roman nicht lesenswert.
Weil es anders ist.
Weil es nicht hetero ist.
Weil es nicht normal ist.
Aber was ist nach dem Outing? Was ist mit der Selbstfindung und Selbstakzeptanz? Das erste Verliebt sein? Der erste Korb? Die erste Verabredung? Die erste Beziehung? Der erste Liebeskummer? Langzeitbeziehungen?
Geschichten um nicht heterosexuellen Jugendlichen hören immer mit dem Coming out auf. Als ob nur das wichtig wäre. Die Rechtfertigung des „nicht Normalseins“ und die darauffolgende Reaktion derer, vor denen sie sich geoutet haben.

 Adam Silveras Bücher, Own-Voice-Autor, gehen einen Schritt weiter. Seine Charaktere sind schwul und das ist auch gut so. Nur anders als in den meisten Jugendbüchern wird darüber kein großes Aufsehen gemacht. Sie sind einfach so, weil es normal ist. Der Leser bekommt einen kleinen Einblick in die Aussage „Das ist Theo, mein fester Freund“ und die Aussage der Eltern „Super, Abendessen ist gleich fertig“. Keine Tränen, keine übertriebenen Umarmungen, keine Luftschlangen, keine Coming out Party. Einfach nur Normalität und Alltag. So wie es sein muss.

Warum muss das so sein? Gegenfrage: Warum nicht? 

Warum müssen sich nur Mitglieder der LGBTQ+ Community outen und nicht auch die Heterosexuellen? Weil es in den Köpfen der Gesellschaft fest verankert ist, dass Heterosexuell ‚normal‘ ist. 
Da zeigt sich deutlich: Normalität im Auge des Betrachters.

Ein anderer Fakt ist aber auch, dass die moderne Popkultur uns unterbewusst manipuliert. Seien es Bücher, Filme, Serien oder Werbespots.
Mit Begeisterung sehe ich seit einigen Monaten einen Wandel. In den Werbespots, die Liebe thematisieren, sind nun auch Männer und Frauen, die ihr gleiches Geschlecht küssen dürfen. In einer RTL Show darf eine homosexuelle Frau mit einer Frau tanzen. Sogar in Serien werden immer mehr LGBTQ+ Charaktere beachtet und bewusst glaubwürdig dargestellt (in etwa in der US amerikanischen Fantasyserie ‚Shadowhunters‘, die hier in Deutschland auf Netflix und neuerdings auch auf dem Sender ‚Sixx‘ ausgestrahlt wird). Auch LGBTQ+ thematisierte Filme bekommen Aufmerksamkeit und schaffen langsam den Weg ins Kino, zuletzt die tolle Verfilmung von Becky Albertallis Roman 'Simon vs the homosapiens Agenda' kurz: ‚Love, Simon‘.
Die Medien- und Popkultur reagiert, die Menschen sind begeistert, offen und nehmen gleichgeschlechtliche Liebe immer mehr als das auf, was sie ist: als normal. Sie beginnen, sich mit anderen Sexualitäten als Hetero, Homo und Bi auseinander zu setzen. Das fördert Verständnis, Toleranz und Akzeptanz.

Selbst heterosexuellen Autoren wird es wichtig, repräsentative Literatur mit queeren Charakteren zu schreiben. Sie trauen sich die LGBTQ+ Community um Rat zu fragen und so gute Literatur auf den Markt zu bringen – die langsam aber sicher die Grenzen zwischen Nische und breites Genre durchbrechen.
Own-Voice Autoren, wie Adam Silvera, mit seinen Erfolgsromanen, machen es vor und andere folgen diesem ausgezeichnetem Beispiel - und verstehen worauf es wirklich ankommt. Nicht auf das Coming Out, nicht auf schwulen Sex – sondern um das was menschlich ist. 
Auf die Gefühle und die gesunde und glaubwürdige Repräsentation von einer sehr großen Gruppe Menschen, die zulange hat im Schatten leben müssen.

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